Situationsbericht

Auszüge zu aktuellen Situation von Dr. Karl-Heinz Krämer (August 2020)

 

Ähnlich wie hier in Europa, so sind auch die Infektionszahlen in Nepal seit der Aufhebung der Ausgangssperre wieder deutlich angestiegen. Hatte man sich bei den Tests in der Vergangenheit vor allem auf Personen konzentriert, die aus dem Ausland zurück nach Nepal kamen, wird die Pandemie längst auch innerhalb Nepals verbreitet. Zu einem Hotspot ist dabei das Kathmandu Tal geworden……


Die Regierung hat die Entscheidung über erneute Ausgangssperren auf die lokalen Einheiten übertragen. So gibt es mancherorts bereits entsprechende Anordnungen. Auch im Kathmandu Tal wurden die Zügel wieder angezogen. So hat man die abwechselnde Zulassung von Fahrten mit geraden und ungeraden Nummernschildern wieder eingeführt, aber die durch Infektionen dezimierte Verkehrspolizei ist gar nicht in der Lage, das wirklich zu kontrollieren. Die Anordnung wird von vielen Menschen missachtet. Einige Stadtviertel (Kathmandu) wurden auch bereits wieder dicht gemacht.


Unterdessen läuft die Rückholung von Arbeitsmigranten durch die Regierung weiter. Die ca. 49.000 Personen, die bisher zurückgeholt wurden, sind angesichts von über einer Million rückkehrwilliger Migranten aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Angesichts des fortbestehenden internationalen Flugverbots ist das alles auch sehr schwierig. Dieses ist jetzt zunächst bis zum

1. September verlängert worden.


Hinsichtlich der Wiedereröffnung der Schulen gibt es weiterhin keine einheitliche Regelung. In einigen ländlichen Gegenden mit geringen Infektionszahlen ist dies bereits wieder erlaubt worden. Es gibt in den Medien immer wieder Fantastereien zu Online-Schulungen. Diese Artikel kommen aber aus dem Kreis der städtischen Elite und lassen die informationstechnischen Gegebenheiten und die finanziellen Möglichkeiten der meisten Menschen aus dem ländlichen Raum völlig außer Acht.


Wettermäßig hat der Monsun Nepal im Griff. Zur Zeit gibt es wieder sehr heftige Niederschläge. Erdrutsche mit vielen Toten sind an der Tagesordnung. Viele Flüsse treten über die Ufer und reißen die Uferbefestigungen mit sich fort. Mehrere der Hochgebirgsseen sind randvoll; die natürlichen Moränen drohen zu brechen.

 

Viele Kleinkinder in Nepal sind besonders gefährdet und leiden unter der Hunger-Pandemie. Die Situation kann durch die folgenden Punkte charakterisiert werden:

 

• Haushaltsarmut schon vor der Krise

• Eingeschränkter Zugang zu sauberem Wasser

• Einseitige Ernährung

• Lebensmittelpreise steigen

• Mangelernährung durch Wegfall von Lohn

• Schul-, Kindergarten-Speisungen entfallen

• Verminderte Abwehrkräfte

• Lebenslange Gesundheitsschäden

• Impfmöglichkeiten für Masern und Diphterie stark eingeschränkt

• Kindersterblichkeit vor dem 5. Lebensjahr steigt an

 

 

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