Umgang in Nepal mit dem Corona -Virus

Ein Bericht von Dr. Karl-Heinz Krämer (März, 2020)

 

Das Corona-Virus hält auch Nepal zunehmend in Atem. Es hat in den letzten Wochen eine ganze Reihe von Verdachtsfällen gegeben, deren Untersuchungsergebnisse aber, abgesehen von einem einzigen und wieder ausgeheilten Fall eines 31jährigen Studenten, der Ende Januar aus Wuhan zurückgekehrt war, bisher allesamt negativ waren. Dennoch ist die Angst vor einem Auftreten des Virus in Nepal nicht nur wegen seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu China, sondern auch wegen des internationalen Reiseverkehrs mehr als begründet. Die Kooperation zwischen China und Nepal hat in den letzten Jahren immer stärker zugenommen. China ist an einer ganzen Reihe großer Entwicklungsprojekte, wie Kraftwerken und Flughäfen, beteiligt. Aus diesem Grund halten sich zahlreiche chinesische Fachkräfte in Nepal auf, die immer mal wieder zwischen Nepal und ihrer Heimat hin- und herpendeln. Gerade erst wurden 71 chinesische Arbeiter, die am Bau des neuen internationalen Regionalflughafens von Pokhara mitwirken, nach ihrer Rückkehr unter Quarantäne gestellt, obgleich ihnen in China Gesundheitszeugnisse ausgestellt worden waren. Auch die Zahl chinesischer Touristen hat drastisch zugenommen. Hier ist China dabei, Indien den führenden Rang abzulaufen.


Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer mehr Nepalis, die sich aus beruflichen Gründen oder aber zum Studium in China aufhalten. Allein in Wuhan, also im Ausbruchszentrum der Epidemie, hielten sich 175 Nepalis auf, die Mitte Februar nach langem Zögern auf Anordnung der nepalischen Regierung nach Nepal evakuiert wurden. Auch hier waren alle Untersuchungen im Verlauf der anschließenden 14-tägigen Quarantäne negativ.


Die Sorge der Menschen liegt insbesondere im Misstrauen gegenüber der eigenen Regierung und Verwaltung begründet. Verbal geben diese vor, alles unter Kontrolle zu haben. In der Praxis erwiesen sich alle bisherigen Vorkehrungen jedoch eher als lasch. So wurde beispielsweise am Flughafen von Kathmandu im Gang unmittelbar vor der Passkontrolle ein Gesundheitsschalter eingerichtet, doch wurden dort Anfang Februar nicht einmal Reisende kontrolliert, die gerade aus China angekommen waren. Gut, wir sind kürzlich aus Istanbul angereist, aber auch bei unserer Ankunft war der Schalter unbesetzt. Von den insgesamt 129 Grenzübergängen zu Indien und China sollen nach Stand 13. März nur 41 mit Gesundheitskontrollposten ausgestattet werden. Indien wiederum will die kleineren Grenzübergänge zu Nepal vorübergehend ganz schließen.


Sehr zögerlich wurden seitens der Regierung ein paar Quarantäne-Zentren eingerichtet, die für einige wenige Verdachtsfälle ausreichen mögen. Aber selbst dort sind sich die Behörden des Ernstes der Lage nicht bewusst. So wurde ein der Krankheit verdächtigter Mann nicht daran gehindert, die Quarantäne-Station zu verlassen und sich in seine Heimatprovinz zu begeben, wo er sich dann in das dortige Quarantäne-Zentrum begab. Auch dieser Fall erwies sich zum Glück als negativ.


Inzwischen fordert die Regierung auf, Massenversammlungen zu meiden, die Hände gründlich zu waschen und zu desinfizieren, sagt Tagungen und sonstige Veranstaltungen ab und fordert die Menschen auf, sich an kulturellen Festen, wie beispielsweise Holi, nicht zu beteiligen, zum Teil nur mit eingeschränktem Erfolg. Auch eine Schließung der Schulen wird überlegt; die Jahresabschluss-Examina sollen vorgezogen werden. Auch das Parlament wurde für zunächst eine Woche geschlossen.


Was aber wird sein, wenn es wirklich zu einer Corona-Virus-Epidemie in Nepal kommt. Wir haben uns mit einigen Personen in Nepal darüber unterhalten. Grundsätzlich wird eine solche Entwicklung als extrem gefährlich angesehen. Man traut Regierung und Verwaltung nicht zu, einer solche Eskalation gewachsen zu sein. Dies würde nicht nur an den Fähigkeiten der Behörden, sondern auch an fehlender Ausstattung der Krankenhäuser, Medikamenten und Personal scheitern.


Auch die wirtschaftlichen Folgen sind gewaltig. Nahrungsmittelimporte aus besonders stark betroffenen Ländern sind bereits untersagt. Dennoch erklärt die Regierung, es gebe keinen Anlass zu Versorgungsängsten. Aber auch in Nepal sehen die Menschen dies anders und legen Vorräte an. Einige Händler nutzen das aus und verlangen stark erhöhte Preise. Hiergegen versucht die Regierung vorzugehen, doch erscheint mir dies als schwierig.


Noch schlimmer ist, dass immer mehr Reiserestriktionen zu anderen Ländern bestehen. Mehrere Millionen Nepalis arbeiten in anderen Ländern als Arbeitsmigranten, insbesondere am Golf, in Malaysia, Indien, Südkorea und Japan. Viele dieser Länder sind selbst vom Virus betroffen und erlassen Schutzmaßnahmen. So hat beispielsweise Katar diese Woche die Einreise von Arbeitsmigranten bis auf weiteres gestoppt. Rund 40.000 Nepalis sollen sich zur Zeit auf Heimaturlaub in Nepal befinden. Sie dürften wohl ihren Job und viel Geld verlieren.


Doch auch Nepal hat in den letzten Tagen drastische Einreisebeschränkungen eingeführt. Das so groß angekündigte Visit Nepal Year 2020 dürfte damit erledigt sein. Die Zahl einreisender Touristen ist allein im Februar im Vergleich zum Februar des Vorjahres um 21 Prozent gesunken. Anfang März hat Nepal die Ausstellung von Einreisevisa bei Ankunft am Flughafen von Kathmandu für Staatsangehörige aus den besonders betroffenen Ländern (zunächst China, Iran, Italien, Südkorea und Japan) eingestellt. Am 9. März wurde diese Regel auch auf Frankreich, Spanien und Deutschland ausgedehnt. Ab 14. März wurde die Visaerteilung am Flughafen völlig eingestellt. Staatsangehörige der genannten Länder können nur noch mit Visa einreisen, die von nepalischen Botschaften und Konsulaten in ihren Heimatländern ausgestellt wurden. Außerdem müssen sie ein Gesundheitszertifikat vorlegen, dass sie nicht vom Corona-Virus befallen sind. Da man sich aber unterwegs trotz eines solchen Gesundheitszeugnisses jederzeit infizieren kann, halte ich die Regel für unsinnig. Mit diesen Dokumenten können Staatsangehörige der genannten acht Länder jedenfalls bis auf Weiteres nur noch über den Flughafen von Kathmandu einreisen. Alle übrigen Grenzübergänge stehen ihnen nicht mehr zur Verfügung. Inzwischen wurden auch alle Bergsteigerexpedition für das Frühjahr gestrichen.

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